Nachhaltigkeit von Produkten messbar
publiziert: Donnerstag, 30. Jul 2009 / 12:49 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 30. Jul 2009 / 13:22 Uhr

Freiburg/Breisgau - Wie nachhaltig der gesamte Lebenszyklus eines Produkt auch in sozialer Hinsicht ist, kann in Zukunft durch einen neuen Leitfaden zur Sozialbilanz besser gezeigt werden.

Gesunde und gerechte Arbeitsbedingungen: Viele Konsumenten sind bereit, dafür mehr auszugeben.
Gesunde und gerechte Arbeitsbedingungen: Viele Konsumenten sind bereit, dafür mehr auszugeben.
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Zum Leitfaden der UNEP
Guidelines for Social Life Cycle Assessment of Products.
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Erstellt wurde dieses Instrument von einer internationalen Expertengruppe, deren Koordination dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP sowie der Gesellschaft für Umwelttoxikologie und -chemie oblag. Drei Forscher des deutschen Öko-Instituts waren beteiligt und brachten ihr Fachwissen zur Analyse der Produktnachhaltigkeit ein.

«Bisherige Instrumente wie etwa das Fairtrade-Label nahmen stets Teilaspekte wie etwa die Arbeitsbedingungen der Produzenten unter die Lupe. Mit der Sozialbilanz kann die erstmals die soziale Nachhaltigkeit eines Produkts über dessen gesamte Lebensdauer beschrieben werden», berichtet Siddharth Prakash, Forscher am Öko-Institut.

Neben der Rohstoffgewinnung und Herstellung könnten erstmals auch die Phasen des Transports, der Nutzung und Entsorgung berücksichtigt werden. Ausserdem werden die sozialen Aspekte für mehrere Interessengruppen bilanziert. «Mitarbeiter der Betriebe, Lieferanten und Verbraucher werden ebenso wie lokale Gemeinden oder die Gesamtgesellschaft in die Analyse einbezogen», so Prakash. Fallstudien sollen in einem zweiten Schritt den Werdegang von Beispielprodukten beschreiben, wofür die Forscher auf die Mitarbeit der Industrie hoffen.

Belastung durch Lärm, Geruch und Staub analysiert

Der neuen Ansatz versucht, bestimmte Sozialindikatoren spezifisch nach den Standorten zu untersuchen. «Mitarbeiter-Zufriedenheit definiert sich in Europa etwa durch die Möglichkeit eines bezahlten Urlaubs, während in Indien der gerechte Lohn im Vordergrund steht.» Andere Kriterien wie etwa Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz gelten hingegen unabhängig von geografischen Gegebenheiten. «Für diese Erhebung kann etwa die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle, die Belastung durch Lärm, Geruch, Staub oder unzureichende Beleuchtung sowie der Zugang zu sauberem Trinkwasser analysiert werden.»

Der Anteil der Kinderarbeit an einem Produkt, die Korruption eines Landes, die Berücksichtigung intellektueller Eigentumsrechte sowie auch das Engagement eines Unternehmens für die lokale Gemeinschaft bilden weitere wichtige Indikatoren. 35 Sozialindikatoren wurden insgesamt auf Basis einer Analyse bestehender Richtlinien und Standards definiert. Besonders hilfreich waren, zum Beispiel die geplanten Ethik-Norm ISO 26000, die Empfehlungen der Global Reporting Initiative oder von OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen.

Erhebung vor Ort nötig

«Der Arbeitsaufwand für die Erhebung der Daten zu sozialen Aspekten sollte nicht unterschätzt werden», betont Prakash. Verständlich wird die Herausforderung etwa am Beispiel komplexer Produkte wie der Computer. Einerseits verfügen Elektronikgeräte eine Vielzahl von Teilen - beim Laptop sind es etwa über 1800 - weshalb man sich hier auf Schlüsselaspekte, so genannte «Hotspots», konzentrieren müsse.

Andererseits würden Firmen dasselbe Produkt oft an verschiedenen Standorten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen erzeugen, wodurch eine Erhebung vor Ort nötig sei. «Man könnte zwar auf die Audits-Protokolle von Firmen zurückgreifen, sofern sie zur Verfügung gestellt werden, Standort-spezifische Befragungen von Mitarbeitern oder der Bevölkerung führen jedoch zu verlässlicheren Ergebnissen», so der Forscher. Ergänzen könne man dies durch Berichte von Nicht-Regierungs-Organisationen oder Angaben aus Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen.

Konsumenten zeigen Bereitschaft

Zugute kommen kann die Verwendung dieser Methodik vor allem Firmen, die sich im Vergleich mit regionalen Mitbewerbern überdurchschnittlich für gerechte Arbeitsbedingungen einsetzen. «Es soll Unternehmen ein Ansporn sein, mehr sozial nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen oder die Fertigung vor allem dort anzusiedeln, wo die Standards eingehalten werden», erklärt Prakash. Eine entsprechende Kennzeichnung käme auch sozial bewussten Konsumenten zugute, die somit ähnliche Produkte nach ihrer Sozialbilanz vergleichen können.

«Erhebungen zeigen, dass die Mehrheit bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen, wenn die soziale Bilanz eines Produktes positiv ist.» Die Ausrottung fragwürdiger Arbeitsbedingungen könne allerdings nicht nur auf freiwilligen Massnahmen beruhen, sondern sei auf staatliches Engagement ähnlich wie bei den Gefahrenstoff-Richtlinien angewiesen. «Wenn es beispielweise um die Produktion und den Handel in den Sonderwirtschaftszonen in China oder Indien geht, sind strenge staatliche Vorgaben unerlässlich», so Prakash gegenüber pressetext.

Den Leitfaden «Guidelines for Social Life Cycle Assessment of Products» ist auf der Homepage der UNEP/SETAC Life Cycle Initiative abrufbar.

(ht/pte)

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