Klimaneutrale Ferienarrangements

publiziert: Samstag, 13. Jan 2007 / 16:34 Uhr

Zürich - Die Klimaerwärmung bedroht gemäss jüngsten Prognosen die Zukunft der Wintersportorte in den Alpen. Einige Stationen in der Schweiz haben begonnen, über Ökologie und Nachhaltigkeit nachzudenken.

In der laufenden Saison trägt Arosa Tourismus die Kosten für das Klimaschutzprojekt.
In der laufenden Saison trägt Arosa Tourismus die Kosten für das Klimaschutzprojekt.
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«Wenn es auf mittleren Lagen keinen Schnee mehr gibt, dann leiden auch die hochgelegenen Wintersportorte», sagt Hans-Kaspar Schwarzenbach, Direktor von Arosa Tourismus im Graubünden. «Die Leute fahren dann nämlich generell weniger Ski.»

Deshalb hat Schwarzenbach auf diesen Winter hin das Projekt «klimaneutrale Ferien» lanciert, die wahlweise gebucht werden können. Dabei geht es um die CO2-Bilanz. Die anfallenden Treibhausemissionen werden berechnet und durch Investitionen in Umweltschutzprojekte kompensiert. Im Fall von Arosa sind dies Biogasanlagen in Bayern D.

Um die hundert Buchungen

Erhoben werden die Emissionen des einzelnen Gastes aufgrund von Faktoren wie Anreise - Auto oder öffentlicher Verkehr - Art des Hotels, Aktivitäten und dergleichen. Um die hundert klimaneutrale Ferienarrangements wurden schon gebucht. Der Gast, welcher dieses Angebot wählt, muss bloss einen Fragebogen ausfüllen. Mehrkosten entstehen ihm keine.

In der laufenden Saison trägt nämlich Arosa Tourismus die Kosten für das Klimaschutzprojekt. Das sind rund 40 000 Franken. Die Tourismus-Organisation kann sich das leisten, weil ohnehin schon jeder zweite Gast im Zug anreist. Gratis Pendelbusse und Pisten bis in den Ort machen das Auto überflüssig.

Es gehe nicht nur darum, den Touristen ein gutes Gewissen zu geben, sagt, Schwarzenbach. Sie sollen zum Nachdenken über die Zusammenhänge von Klimaschutz und persönlichem Verhalten ermuntert werden.

CO2 vor allem aus Heizungen

In Wintersportorten sind aber vor allem die Heizungen und nicht der Verkehr die Hauptverursacher von Kohlendioxid. Dies zeigt eine Studie des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos GR. Der CO2-Ausstoss ist im Schnitt 25 Prozent höher als im Flachland. Unter anderem wegen der starken Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Aufgrund dieser Erkenntis hat Davos beschlossen, seine Emissionen bis ins Jahr 2014 um 15 Prozent zu senken. Vorab via bessere Gebäudeisolationen und durch den Ersatz von Heizöl durch erneuerbare Energien.

Auch im Engadiner Nobelskiort St. Moriz hat man das Problem erkannt. Hier werden die Immobilienbesitzer verpflichtet, einen Drittel der Energie aus alternativen Quellen zu beziehen oder aber sie mit besserer Wärmeisolierung einzusparen.

Auf ein Bonussystem setzen dagegen die sechs Stationen von Crans Montana VS. So erhalten etwa Bauherren, welche über die gesetzlich vorgeschriebenen Minimal-Standards hinausgehen, eine finanzielle Vergütung oder Bauvorteile. Sie dürfen beispielsweise ein Stockwerk höher bauen.

Druck auf Politiker

Bei der Umweltschutzorganisation lobt man all diese Initiativen. Allerdings: Die Wintersportorte können das globale Problem nicht alleine lösen, gibt Alexander Hauri, Verantwortlicher der Klimakampagne, zu bedenken.

Nötig sei deshalb, dass sie mehr Druck machen auf ihre politischen Vertreter auf kantonaler und eidgenössischer Ebene. Die Ständeräte aus den Bergkantonen beispielsweise engagierten sich nicht genügend für den Klimaschutz, kritisiert Hauri.

(Von Barbara Knopf/sda)

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