e-Waste-Entsorgung schafft auch Arbeitsplätze
publiziert: Sonntag, 23. Aug 2009 / 13:19 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 23. Aug 2009 / 14:13 Uhr

Bern - Die Schweiz beansprucht, ein Pionierland in vielen Bereichen des Umweltschutzes zu sein. So auch in der Entsorgung und im Recycling von Elektroschrott. Am Freitag wurde zwischen dem Umweltminister von Peru, Antonio Brack, und Wirtschaftsministerin Doris Leuthard ein Abkommen unterzeichnet, das die Zusammenarbeit der beiden Länder im Bereich e-Waste-Entsorgung festlegt.

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Die etwa in Leiterplatten enthaltenen Edelmetalle bieten Potential für Handelsbeziehungen.
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Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO und die Empa engagieren sich bereits seit Jahren in der Förderung einer umweltverträglichen und ressourcen-schonenden Beseitigung von Elektroschrott in Entwicklungsländern, wie die Empa in einer Medienmitteilung schreibt.

Bundesrätin Doris Leuthard und der peruanische Umweltminister Antonio Brack haben ein Abkommen zum Aufbau von nachhaltigen Recyclingsystemen für Elektronikschrott unterzeichnet.

Parallel zu einem ähnlichen Vorhaben in Kolumbien will das SECO in den nächsten zweieinhalb Jahren verschiedene private und öffentliche Partner in Peru im Aufbau eines umweltverträglichen Recyclings von Elektroschrott unterstützen.

Das Projekt erfolgt im Rahmen der Strategie des SECO, die Zusammenarbeit mit dem Schwerpunktland Peru mittelfristig auf rund 15 Mio. Franken pro Jahr zu erhöhen. Dabei sollen insbesondere Umwelttechnologien und der Klimaschutz gefördert werden. Geleitet wird das Projekt von der Empa, die in Kolumbien und Peru bereits verschiedene umwelttechnische Projekte realisiert hat.

Schadstoffminimierung als Geschäftsmöglichkeit

Ein Ziel der vereinbarten Zusammenarbeit ist es, die durch einen unsachgemässe Behandlung mögliche Freisetzung toxischer Substanzen aus Batterien, Isoliermaterial oder Bildschirmen zu minimieren, um die Gesundheit der Arbeitenden und die Umwelt zu schützen. Zudem eröffnet das Recycling von Elektroschrott neue Geschäftsmöglichkeiten und schafft wertvolle Arbeitsplätze im Bereich der Rückgewinnung und Nutzung der im Elektroschrott enthaltenen wertvollen Materialien.

Die Arbeiten werden von verschiedenen Forschungsprojekten begleitet, welche die spezifischen Gegebenheiten in den beiden Ländern untersuchen und geeignete Recyclingmethoden identifizieren sollen (s. auch Factsheet). Das Abkommen wurde von Bundesrätin Doris Leuthard und vom peruanischen Umweltminister, Antonio Brack, anlässlich eines Schweiz-Besuchs unterzeichnet, bei dem sich Brack unter anderem an der Empa über neuste Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich Ressourceneffizienz und Ökobilanzen informierte, so etwa über eine derzeit laufende Studie, die das Potenzial und die Ökobilanzen verschiedener peruanischer Biotreibstoffe ermittelt.

«Was die Empa auf dem Gebiet der Biotreibstoffe in Peru leistet, ist enorm wichtig für uns – nämlich die wissenschaftlichen Grundlagen für politische Entscheidungen zu erarbeiten», zeigte sich Brack beeindruckt.

Rückgewinnung wertvoller Materialien

Durch die Verwertung der etwa in Leiterplatten enthaltenen Edelmetalle können zudem internationale Geschäfts- und Handelsbeziehungen aufgebaut werden. Wie bereits in China, Indien und Südafrika werden die Träger des Schweizer Elektroschrottsystems, allen voran SWICO Recycling und SENS, aber auch international tätige Schweizer Recyclingfirmen in das Projekt eingebunden.

Über die internationale Plattform «StEP – Solving the e-Waste Problem», an der verschiedene UN-Institutionen, multinationale Konzerne wie HP, Dell, Cisco und Microsoft sowie Forschungsinstitutionen und Verwaltungsstellen beteiligt sind und in der das SECO und die Empa als Gründungsmitglieder fungieren, ist gewährleistet, dass die Massnahmen in Peru den weltweiten Technologietransfer verstärken.

Steigender Absatz von Elektronikgütern

OECD-Statistiken zeigen, dass der globale Handel von Gütern der Informations- und Kommunikations-technologien schon im Jahre 2004 8% des weltweiten Bruttosozialproduktes umfasste. Die Durchdringung mit modernsten Technologien macht auch vor Entwicklungsregionen nicht Halt: So wird davon ausgegangen, dass sich z.B. in Lateinamerika das entsprechende Handelsvolumen in weniger als fünf Jahren mehr als verdoppeln wird.

Trotz internationaler Vereinbarungen wie der Basler Konvention, die einen Export solcher Geräte als Abfall verbieten, ist es den Zollbehörden nicht immer möglich festzustellen, ob Geräte als Abfall oder zur Wiederbenutzung importiert werden. Obwohl z.B. Computer in Entwicklungsländern oft auch repariert und wieder nutzbringend eingesetzt werden können, um damit den Zugang benachteiligter Bevölkerungsgruppen zur internationalen Wissensgesellschaft zu ermöglichen, landen diese oft unkontrolliert als Abfall in den Hinterhöfen der Grosstädte.

Die Reintegration in eine Wertschöpfung durch Reparatur und Recycling geschieht oft im informellen Sektor, der einerseits meist ineffizient arbeitet, andererseits durch unsachgemässe Handhabung und damit verbundene Schadstofffreisetzung die Gesundheit der Beteiligten und die Umwelt belastet.

Breites Know-how über e-Waste-Recycling

Seit 2003 finanziert das SECO Tätigkeiten im Rahmen von internationalen Wissenspartnerschaften mit China, Indien und Südafrika. Die Empa, die durch verschiedene Forschungsprojekte sowie die technische Kontrolle der Schweizerischen e-Waste Recyclingbetriebe über langjährige Erfahrung bei der Umsetzung umweltverträglicher Recyclingmassnahmen verfügt, ist für Leitung und Durchführung der Projekte verantwortlich.

«Die Knappheit und Endlichkeit vieler Stoffe wird der Gesellschaft gerade durch die Elektronik, die heutzutage einen Grossteil der chemischen Elemente einsetzt, deutlich gemacht und zwingt sie, sich auch mit ihren Abfällen zu befassen», wird der Projektverantwortliche Heinz Böni, Leiter der Empa-Gruppe «sustec – sustainable technology cooperation», in der Medienmitteilung abschliessend zitiert.

(ht/pd)

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