Vertragsbauern - Eine Nische im Aufwind
publiziert: Dienstag, 19. Aug 2008 / 08:41 Uhr

Genf - Regelmässig Früchte und Gemüse aus der Umgebung essen, den Bezug zu Mutter Erde pflegen: Die aus der Westschweiz stammende Vertragslandwirtschaft wird dort immer beliebter. In der Deutschschweiz ist sie hingegen kaum bekannt.

Vertragsbauern sind eine Besonderheit der Westschweiz: Die Idee stammt aber aus dem Japan der 1960er Jahre.
Vertragsbauern sind eine Besonderheit der Westschweiz: Die Idee stammt aber aus dem Japan der 1960er Jahre.
Die Westschweizer nennen sie «Agriculture contractuelle de proximité» (ACP). Und die Vertragslandwirtschaft funktioniert so: Die Kunden kaufen von den Bauern die Ernte einer bestimmten Anbaufläche im Voraus zu einem Pauschalpreis und zu festgelegten Bedingungen. Dadurch tragen Konsument und Landwirt gemeinsam das Risiko für die Ernte.

Genfer Pioniere

Die Genfer Genossenschaft «Les Jardins de Cocagne» (JC) ist Pionierin auf dem Gebiet. Als Alternative zu Grossverteilern 1978 ins Leben gerufen, feiert sie am 30. August ihren 30. Geburtstag. Die 400 Genossenschafter repräsentieren laut JC-Gärtner Claude Mudry rund 1000 Menschen.

Inzwischen befänden sich etwa 100 Personen auf der Warteliste, sagt Mudry, ausserdem Präsident des Westschweizer Verbandes für nahe Vertragslandwirtschaft (ACP), weiter. «Seit 2005 können wir nicht mehr alle Interessenten berücksichtigen.»

Durch den Landwirtschaftsvertrag verbindet die ACP Konsumenten und Bauern einer bestimmten Region. Die Förderung der regionalen Landwirtschaft und der qualitativ hochstehenden Nahrungsmittel zu fairen Preisen sowie nachhaltige Entwicklung stehen im Zentrum der Philosophie, deren Zauberwort Selbstversorgung lautet.

Die Idee der Vertragsbauern stammt ursprünglich aus dem Japan der 1960er Jahre. In der Westschweiz gibt es inzwischen 20 Projekte mit Mitgliederzahlen zwischen 20 und 1300. Insgesamt sind laut ACP 3400 Haushalte an dieser Form der Selbstversorgung beteiligt.

Jäten oder zahlen

Die Mitglieder können regelmässig einen Warenkorb mit Früchten, Gemüse, Milchprodukten, Fleisch und sogar Wein und Öl abholen. Dieser wird vom Bauernhof an eine Sammelstelle in der Stadt geliefert.

Nachteile sind die Vorfinanzierung für ein ganzes Jahr und ziemlich starre Abholzeiten. Hinzu kommt, dass der Kunde nehmen muss, was die Ernte bringt: Angebot und Nachfrage stimmen deshalb nicht immer überein.

Es kommt vor, dass die Mitglieder selbst anpacken müssen auf «ihrem» Bauernhof. Die JC-Genossenschafter beispielsweise opfern so drei bis vier Halbtage pro Jahr fürs Jäten. Wer nicht mithilft, bezahlt.

Westschweizer Phänomen

In seinem Agrarbericht 2007 begrüsste das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Zunahme der Initiativen zur Förderung der Stadt-Land-Beziehung. Neben Agrotourismus und Direktverkauf ab Hof erwähnt das Amt auch die ACP-Projekte.

Dabei sind Vertragsbauern eine Besonderheit der Westschweiz. Nur ein Deutschschweizer Projekt dieser Art - 1980 in Basel lanciert - wird im Bericht erwähnt. Daneben gibt es Angebote für Frucht- und Gemüse-Abonnemente, doch wird bei diesen keine Genossenschaftsmitgliedschaft vorausgesetzt.

Dieser «Röstigraben» sei denn auch der Grund, weshalb der ACP ein reiner Westschweizer Verein ist, sagte Mudry. Trotzdem glaubt der Vereinspräsident, dass auch in der Deutschschweiz Potenzial für die Verbreitung dieser Idee bestehe.

(fest/sda)

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