Moderne Technik kann Energieeffizienz dramatisch verbessern
Versorger planen intelligente Stromnetze
publiziert: Montag, 4. Aug 2008 / 07:03 Uhr

Eine sichere, zukunftsfähige und effiziente Stromversorgung ist mit der Aufrüstung konventioneller Netze allein langfristig nicht zu bewältigen. Erforderlich ist eine Umstellung auf das so genannte Smart Grid (Intelligentes Stromnetz). Diese kommende Innovation in der Energiebranche wird derzeit von den grossen Versorgern vorbereitet.

Kern des Smart Grid bildet ein grossflächiger, dynamischer Abgleich von Stromangebot und -nachfrage.
Kern des Smart Grid bildet ein grossflächiger, dynamischer Abgleich von Stromangebot und -nachfrage.
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Doch eine Vielzahl technischer Insellösungen und fehlende übergreifende, offene Standards erschweren den Aufbau des Smart Grid. Dabei kommt es darauf an, die strategischen Weichen jetzt zu stellen, um die Stromversorgung nachhaltig zu sichern und effizienter zu machen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der internationalen Strategieberatung Booz & Company, auf Basis einer Befragung der 15 führenden Energieunternehmen Europas.

«Das grosse Thema»

«Die deutschen Energieversorger planen, bis 2020 rund 40 bis 50 Mrd. Euro in die Modernisierung der Netze zu investieren, davon rund 15 bis 25 Mrd. Euro in Smart Grid-Technologie oder damit verbundene Kosten. Smart Grid ist das grosse Innovationsthema der Stromindustrie», betont Rolf Adam, Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz & Company. «Wichtig ist jedoch, neben den technischen Möglichkeiten die wirtschaftlichen Potenziale im Auge zu behalten. Notwendig sind hierfür von der Branche gemeinsam erarbeitete Standards und eine langfristige Erschliessung des Marktes. Energieversorger erhalten durch neue Anwendungen Potenziale zur Umsatzsteigerung von über 100 Terrawattstunden (TWh)», erklärt Adam.

Intelligente Balance

Smart Grid bezeichnet die Verbindung des Stromnetzes mit moderner Elektronik. Dies ermöglicht mittelfristig eine dezentrale Energieerzeugung in grossem Massstab. Intelligente Netze bilden somit den entscheidenden Hebel, um energiepolitische Vorgaben, wie die Senkung des CO2-Ausstosses oder die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien, zu erreichen. Energieversorgern helfen sie, auf verändertes Verbraucherverhalten – etwa den Trend zu Elektroautos – flexibel zu antworten.

Kunden können dank intelligenter Stromzähler (Smart Meter) in Echtzeit ihren Verbrauch kontrollieren und dann gezielt anpassen. Der volkswirtschaftliche Nutzen durch eingesparte Energieressourcen und geringere Schadstoffemissionen ist erheblich: Allein die flächendeckende Nutzung von Smart Meters und eines effizienten Nachfragemanagements (Demand Response) kann zu Einsparungen von über 10 TWh führen. Das entspricht zirka 2,5 Mio. Haushaltskunden. Auf dem Weg zum Smart Grid sind für Energieunternehmen drei Schritte entscheidend, die Booz & Company in der Untersuchung detailliert darstellt:

1. Übergreifende Kommunikationsstruktur in offenem Standard

Kern des Smart Grid bildet ein grossflächiger, zumindest nationaler oder europaweiter dynamischer Abgleich von Stromangebot und -nachfrage. Dies ist nur mittels einer gemeinsam entwickelten, branchenübergreifenden Informationsstruktur nach offenen Standards möglich. Würde beisielsweise jedes der rund 600 deutschen Stadtwerke eigene Technik oder Software entwickeln, büsste das Smart Grid seinen entscheidenden Nutzen ein.

2. Trends auf der Nachfrageseite in Business Cases umwandeln

Ein Beispiel: In Deutschland existieren etwa 1,3 Millionen Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom und Solarwärme, darunter zahlreiche private Haushalte. Das Smart Grid ermöglicht solchen Kunden, ihren Strom dezentral einzuspeisen. Kunde und Versorger profitieren. Erfolgreiche Energieunternehmen können auf Basis solcher Trends innovative Produkte und Services entwickeln, die neue Quellen der Wertschöpfung erschliessen.

3. Entwicklung einer langfristigen Strategie

Energieunternehmen müssen alle Ebenen, die eine Migration hin zu Smart Grid beinhaltet, in einem strategischen Ganzen zusammenführen: zum Beispiel infrastrukturelle und technische Anforderungen, finanzieller Bedarf und Businessmodelle. Letztere müssen die Frage beantworten: Mit welchen Produkten, welcher Preisstruktur, welchen Services lässt sich auf Basis des Smart Grid langfristig Wert schöpfen?

Kundenorientiert handeln

Das Smart Grid wird das Kräftespiel zwischen Anbietern und Verbrauchern tief greifend verändern. Um damit verbundene Chancen zu nutzen, sollten Energieunternehmen kundenorientierte Strategien entwickeln, die technische Herausforderungen vor dem Hintergrund neuer Geschäftsmöglichkeiten betrachten. Für die Unternehmen, die als Erstes am Markt sind, ergeben sich attraktive Möglichkeiten, Kunden durch innovative Produkte, Services und Preisstrukturen an sich zu binden und neue Marktanteile und Segmente der Wertschöpfungskette zu erobern.

(ra/KMU Magazin)

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