US-Konzerne wittern Wandel in der Klimapolitik
publiziert: Montag, 29. Jan 2007 / 13:32 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Jan 2007 / 14:00 Uhr

Washington - In den USA dürfte mancher Konzernchef diesmal etwas genauer hingehört haben, als Präsident George W. Bush seine Rede zur Lage der Nation hielt. Aber nicht der Konjunktur galt das Interesse, sondern was Bush zum Klimaschutz sagte.

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Zehn führende Unternehmen, darunter Schwergewichte wie DuPont und General Electric, hatten kurz zuvor massiv den Druck auf die Regierung erhöht und konkrete Schritte gegen die globale Erwärmung verlangt - in ungewöhnlicher Allianz mit Umweltverbänden.

Die Konzerne sind dabei nicht nur auf Imagepunkte beim Konsument aus: Auch scheinen sie sich rechtzeitig positionieren zu wollen, wenn sich langfristig der Wind in der Klimapolitik dreht.

Reduktion von Treibhausgasen

Unternehmenschefs und Öko-Verbände waren vor der Bush-Rede mit klaren Vorstellungen nach Washington gereist: Als «Partnerschaft Klimaaktion» (USCAP) verlangten sie unter anderem eine Verringerung der Treibhausgase auf 60 bis 80 Prozent des derzeitigen Werts bis zum Jahr 2050.

«Die USA sind ökonomisch und technologisch führend. Wir müssen uns hier an die Spitze der Bewegung stellen», fordert der Vorstandschef des Versorgers PG&E Corporation, Peter Darbee. Und: «Je schneller wir handeln, desto mehr Lösungsoptionen, geringere Kosten und weniger Ungewissheit über die Klimaentwicklung haben wir.»

Grösster Verschmutzer

Die USA produzieren ein Viertel der Treibhausgase weltweit, die für die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht werden. Mit fünf Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen die Amerikaner 25 Prozent des Öls. Die US-Klimapolitik indes ist nicht mehr als Stückwerk, freiwillige Massnahmen beherrschen das Bild, während Bush das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausemissionen ablehnt.

In seiner Rede an die Nation räumte er nun immerhin ein, es gebe «ernsthafte Herausforderungen» durch die globale Erwärmung. Für einen Wandel in Bushs Klimapolitik halten Fachleute das aber beileibe nicht.

Politik wird sich ändern

Eine ganze Reihe Unternehmen verfolgt den Klimaschutz inzwischen auf eigene Faust. 2005 kündigte der weltgrösste Konzern General Electric eine Reduzierung seiner Treibhausemissionen bis 2012 um ein Prozent an. Bis 2010 will das Unternehmen 1,5 Mrd. Dollar in Wind- und Wasserenergie stecken.

Dass sich umweltbewusste Vorstände in amerikanischen Unternehmen aber über Nacht in selbstlose Gutmenschen verwandelt haben, glaubt niemand. «Es gibt einige triftige Gründe, weshalb Firmen jetzt handeln wollen», schreibt das Magazin «Economist». Immer deutlicher werde, dass auch in den USA gesetzliche Vorschriften auf Bundesebene über den Ausstoss von Treibhausgasen kommen werden.

Demokraten machen Druck

Die Demokraten, die inzwischen den US-Kongresses beherrschen, machen Druck. Das Oberste Gericht der USA beschäftigt sich erstmals mit einem Rechtsfall um die globale Erwärmung. Laut einer Umfrage erwartet ein Grossteil der Top-Manager von Stromerzeugern bindende Vorschriften. Entsprechend wollen die Unternehmen mit am Tisch sitzen, wenn über künftige Gesetze entschieden wird.

Denn nur so lassen sich langfristige Projekte wie Fabriken oder Kraftwerke planen. Und da sind noch die Milliardensummen, die, wie bei General Electric, in Forschung und Entwicklung alternativer Energieformen stecken.

(Von Frank Brandmaier, dpa/sda)

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