Photovoltaik-Förderung ein «Mäusepieps»
publiziert: Freitag, 25. Jul 2008 / 15:39 Uhr

Wien - Der Sturm der Österreicher auf die Photovoltaikförderung von Hausanlagen, die vergangenen Freitag nach nur 15 Minuten den gesamten Fördertopf von acht Mio. Euro aufgebraucht hatte, wirft einige Fragen hinsichtlich der Zukunft der Photovoltaik in Österreich auf.

Der Buchautor, Filmer und Experte für erneuerbare Energien, Hans Kronberger.
Der Buchautor, Filmer und Experte für erneuerbare Energien, Hans Kronberger.
1 Meldung im Zusammenhang
Im Gespräch mit dem Präsidenten des Verbands Photovoltaic Austria Hans Kronberger wurden die Auswirkungen dieser Aktion diskutiert.

Herr Kronberger, war der Förderanteil von 2800 Euro für dachintegrierte Photovoltaik-Anlagen und 3500 Euro für Fassadenintegrierte so lukrativ, dass die Österreicher den Klimafonds gestürmt haben?

Kronberger: Nein, sicher nicht. Tschechien garantiert auf 20 Jahre einen Tarif von 52 Cent pro Kilowattstunde. Das rechnet sich. Österreich gewährt bei Anlagen unter fünf Kilowatt/Peak einmalig die genannte Investitionsförderung. Keiner der Antragsteller wird damit Geld machen. Allerdings leistet jeder damit einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung und mittelfristig auch zur Versorgungssicherheit und Preisstabilität.

Die Fördersumme war also nicht der Anreiz?

Kronberger: Nein. Außerdem ist der Begriff Förderung meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang unrichtig. Es handelt sich volkswirtschaftlich gesehen, um eine höchst sinnvolle Investition. Die österreichischen Sonnenstrompioniere sind offensiv dazu bereit ihren Anteil an der Stromversorgung der Zukunft zu leisten.

Was kann man mit einer Summe von acht Mio. Euro erreichen - oder anders gefragt - was kann man damit bebauen?

Kronberger: Zwischen zweieinhalb bis drei Megawatt Leistung sind möglich. International gesehen ist das bestenfalls ein Mäusepieps. International geht in der Photovoltaik längst die Post ab. Im vorigen Jahr wurden weltweit über vier Gigawattstunden Leistung installiert. Die Menge wird sich in den nächsten Jahren mehrmals verdoppeln.

Vielfach wird auch die Vergabepraxis in Wettbewerbsform kritisiert. Wie sehen Sie das?

Kronberger: Natürlich kommt keine Vergabegerechtigkeit auf, wenn innerhalb einer viertel Stunde das gesamte Volumen vergeben ist. Leidtragende sind die Gewerbetreibenden. Sie stehen vor dem Problem für ein paar Wochen fette Auftragsbücher zu haben, danach folgt jedoch gähnende Leere.

Im Klimafonds gab es den Streit zwischen Andreas Wabl und Umweltminister Josef Pröll über die Photovoltaik. Gibt es da jetzt einen Sieger?

Kronberger: Von einem Sieger würde ich nicht sprechen. Ein Sieger hätte das gesamte System in Schwung gebracht und müsste jetzt nicht tausende Interessierte enttäuschen. Wohl aber hat Minister Pröll die Situation realistischer eingeschätzt und auch erkannt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Seine Ankündigung einer Aufstockung der Mittel ist grundsätzlich richtig, aber noch nicht eine vollkommene Lösung.

Wie würde eine solche Lösung aussehen?

Kronberger: An einem fundierten, weitreichenden und nachhaltigem Ökostromgesetz für Österreich, das auf internationale Erfahrungen aufbaut, führt kein Weg vorbei. Es sollte eines der ersten Vorhaben der neuen Regierung sein.

Wie soll ein solches Gesetz aussehen?

Kronberger: In Österreich würde man derzeit einen Tarif von ca. 44 bis 46 Cent auf 16 bis 18 Jahre für Anlagen bis zehn Kilowatt/Peak brauchen. Die Feinabstimmung kann nach aktuellen Daten erfolgen. Es ist in den nächsten drei Jahren mit einer Kostendegression von ca. fünf Prozent pro Jahr bei den Anlagen zu rechnen. Das Ziel ist die Erreichung der so genannten «Netzparität». Das heißt, dass die Erzeugungskosten durch Photovoltaik gleich hoch sind wie die Kosten, die der Endverbraucher an den Energieversorger zu bezahlen hat. Da er den Strom selber verbrauchen kann, rechnet sich damit die Anlage auf Dauer von selbst. Dies ist in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu erwarten, hängt aber auch von den aktuellen Preissteigerungen von fossilen und atomaren Strom ab.

Wird die Stromversorgung zum Wahlkampfthema?

Kronberger: Die interessierten Bürger sollten unbedingt von den Mandataren erfahren, was in punkto Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu erwarten ist. Ein stabiles Energieversorgungssystem kann nur auf Basis erneuerbarer Energieträger funktionieren, bei denen die Rohstoffe Licht, Wasser, Wind und Biomasse auf Dauer gesichert sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

(ht/pte)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Wien - Seit Freitag Mittag sind bereits mehr als 2400 Förderanträge im Rahmen der ... mehr lesen
2400 Anträge am ersten Tag - die Fördermittel wurden um das Dreifache überschritten. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Umwelt wird weniger verschmutzt.
Die Umwelt wird weniger verschmutzt.
Publinews Steigendes Umweltbewusstsein und eine strengere Gesetzgebung befördern die Nachfrage nach kreativen Ideen zum Recycling von Plastikabfällen. Der Schweizer ENESPA AG ist es in Kooperation mit der Biofabrik Technologies GmbH aus Dresden gelungen durch Weiterentwicklung der bekannten Thermolysetechnik hoch effizient und fast gänzlich CO2-frei, aus Plastikmüll hochwertiges Paraffinöl zu gewinnen. mehr lesen  
Publinews Immer mehr Menschen überlegen sich in Deutschland die Anschaffung von Solarsystemen. Sie sollen die Eigenversorgung des Stromverbrauchs im ... mehr lesen  
Was die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage betrifft, so muss die Zeit eingeplant werden, bis sich die Investition amortisiert.
Christian Bauer (links) und Romain Sacchi sind Teil des Teams am PSI, das den «Carculator» entwickelt hat - ein Webtool, mit dem sich die Umweltauswirkungen von verschiedenen Personenwagen detailliert vergleichen lassen.
Paul Scherrer Institut präsentiert den Carculator  Villigen - Entscheidungshilfe beim Autokauf: Forschende des Paul Scherrer Instituts haben ein Webtool namens «Carculator» entwickelt, mit dem sich detailliert ... mehr lesen  
Smart Point of Interests by domains.ch  St. Gallen - Am Dienstag, 3. September 2019, findet der dritte nationale Digitaltag mit mehr als 150 kostenlosen ... mehr lesen  
Interactive Point Cloud der Altstadt St. Gallen mit Informationen von DOMAINS.CH
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
 
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
ZÜRI TODAY Logo
18.10.2021
GOOD AGRICULTURAL & COLLECTION PRACTICE EMA GACP Logo
18.10.2021
GOOD AGRICULTURAL & COLLECTION PRACTICE EMA GACP Logo
18.10.2021
HFX | Coach Logo
18.10.2021
HFX | Connect Logo
18.10.2021
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 6°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 8°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 8°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 6°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Luzern 7°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Genf 7°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 9°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten