Kohlenstoff-Bunker
Palmöl bedroht Weltklima
publiziert: Dienstag, 1. Mai 2012 / 10:04 Uhr
Eine gerodete Waldfläche in Indonesien.
Eine gerodete Waldfläche in Indonesien.

New Haven/Wien - Die verheerende Klimabilanz von Palmöl wird sich künftig noch weiter verschlechtern.

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Originalstudie
Bei «PNAS».
pnas.org

Wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt «PNAS» zeigt, errichtet die Palmölindustrie ihre Monokultur-Plantagen im Haupterzeugerland Indonesien zunehmend auf Torfböden. Dieser Boden setzt bei der Trockenlegung oder Brandrodung enorme Mengen des Klimagases Kohlendioxid (CO2) frei. «Das Verhindern von Plantagen auf Torfböden ist eine der wichtigsten Massnahmen des Klimaschutzes», sagt Studienautorin Kimberly Carlson von der Yale University.

Anbau zündet CO2-Bombe

Die Forscher untersuchten den Bezirk Ketapang auf der Insel Borneo, der flächenmässig etwas kleiner als die Schweiz ist. Zur Anwendung kam eine für den Amazonas-Regenwald entwickelte Simulation für die Landnutzung, die unter anderem hochauflösende Satellitendaten, Klimadaten und sozioökonomische Forschung berücksichtigt. Die Palmöl-Monokultur wird 2020 ein Drittel der Landfläche ausmachen, intakte Wälder hingegen nur noch fünf statt heute 15 Prozent, so ein Ergebnis. Alarmierend ist jedoch der Umstand, dass im Vorjahr die Hälfte der neuerrichteten Plantagen auf Torfböden entstanden sind.

Tropische Torfböden sind eine bis zu 20 Meter tiefe Torfschicht, in der die zwanzigfache Biomasse des im Wald gespeicherten Kohlenstoffes steckt. Wird der Boden entwässert oder brandgerodet, wie bei der Palmöl-Plantagenerrichtung üblich, kommen enorme Mengen von CO2 frei. Fast 90 Prozent der Palmöl-verursachten Treibhausgase werden 2020 aus Torfböden stammen, sagen die Forscher um Carlson. Die Folge bekommt das Weltklima zu spüren. «Wegen der Waldbrände und -rodungen ist Indonesien viertgrösster CO2-Emittent», erklärt Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof.

Desaströser Durst nach Biodiesel

Doch Palmöl ist auch ein Sozialproblem, werden doch die Bewohner der benötigten Grundstücke meist von der Landwirtschaft weg in die Städte getrieben, da Plantagenarbeit für die meisten von ihnen keine Option darstellt. Auch die Natur leidet: «Macht Indonesien weiter wie derzeit, gibt es 2020 ausserhalb von Reservaten keinen Urwald, keine Orang-Utans und keine Java-Nashörner mehr», so der Klimaexperte. Ein ähnliches Schicksal steht umliegenden Ländern wie Malaysia, Vietnam oder Teilen Papua-Neuguineas bevor.

Moratorien für Landumwidmung sind kaum zu erwarten: Indonesien plant, die Plantagen für Palmöl von derzeit 100'000 bis 2020 auf 180'000 Quadratkilometer zu vergrössern. Gründe dafür sind in der EU und den USA zu suchen: «Palmöl boomt aufgrund der künstlichen Steigerung der Nachfrage durch Biokraftstoff-Beimengung im Diesel», betont Westerhof. Zwar wird im Diesel eher Raps- oder Sonnenblumenöl beigemischt, doch dort, wo diese Öle früher steckten, landet nun zunehmend Palmöl: Im Speise- und Frittierfett etwa, in Backwaren, Margarine und Süssigkeiten sowie in der industriellen Verarbeitung.

Schutzgebiete errichten, Anrainer einbinden

Der wichtigste Hebel zur Verringerung des Palmöl-Klimaschadens ist somit das Senken der Gesamtnachfrage, wobei die Politik der Industrieländer gefordert ist. Nationale Verbote in Indonesien bringen hingegen nicht viel, sofern sie bloss die Umwandlung intakter oder gerodeter Wälder sowie von Torfböden in Plantagen verbieten wollen: Selbst bei erfolgreicher Durchführung würden die CO2-Emissionen bloss um vier Prozent sinken, zeigen die Forscher, da die unkontrollierten Waldbrände weitergingen.

Da Wald- und Moorschutz für die Lokalbevölkerung meist keine Vorteile bringt, wäre ein Schutzstatus für die betroffenen Flächen weitaus günstiger und könnte auch die CO2-Emissionen deutlich senken. «Alle Beteiligten - Industrie, Klima und Anrainer - müssen berücksichtigt werden. Beim Landerwerb sollten Palmölfírmen garantieren, dass der Kauf auf freier, informierter Zustimmung der Kleinbauern und Dörfer beruht und transparent und fair entschädigt wird», erklären die Forscher.

(bert/pte)

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