Moos als Feinstaubkiller
publiziert: Donnerstag, 27. Sep 2007 / 16:04 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 27. Sep 2007 / 17:23 Uhr

Bonn - Wissenschaftler der Universität Bonn haben entdeckt, dass Moose gefährliche Feinstäube «schlucken» können. Wie ein biologisches Mikrofaser-Staubtuch nehmen die Pflanzen große Mengen der gefährlichen Luftpartikel auf und machen Feinstaub somit zur Biomasse.

Nichtlöslicher Staub wird vom Moos festgehalten.
Nichtlöslicher Staub wird vom Moos festgehalten.
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Nun planen die Forscher um Jan-Peter Frahm, diese natürlichen Luftfilter erstmals auch zur Straßenbegrünung einzusetzen. «Viele Abgas-Bestandteile dienen Moosen als Nahrung, andere werden durch Bakterien abgebaut, die auf den Moosblättchen leben», so Frahm, Leiter der Arbeitsgruppe Bryologie.

Ungefähr die Hälfte der Feinstäube besteht aus Ammoniumsalzen, überwiegend Ammoniumnitrat. Diese bilden sich aus Ammoniak - auf dem Lande aus der Landwirtschaft, in den Städten aus Katalysatoren - sowie aus Stickoxiden. «Ammonium ist ein wichtiger Nährstoff, den die unscheinbaren Pflanzen zum Wachstum benötigen.» Organische Feinstäube wie etwa aus dem Reifenabrieb werden zudem von Bakterien abgebaut, die in großer Menge in einem Biofilm auf den Oberflächen der Blätter leben. Die restlichen anorganischen, nicht in Wasser löslichen Stäube, werden von den Moosen festgehalten und sedimentieren in ihren Rasen.

Zufällig entdeckt

«Es war eigentlich eher ein Zufall, dass wir entdeckt haben, dass die Moose auch den anfallenden Feinstaub erheblich reduzieren», erklärt Frahm. Eine Kombination aus Eigenschaften machen die Moose zum Feinstaub-Killer: Zum einen ist da ihre riesige Oberfläche. «Ein Moospolster von einem Quadratmeter Größe hat fünf Mio. kleinste Blättchen.» Jedes dieser Blättchen zieht Mikropartikel aus der Luft an. «Die Moosoberfläche ist negativ geladen, ein Ammoniumion dagegen positiv», führt der Experte aus. Nach diesem Prinzip funktionieren auch die Mikrofaser-Staubtücher.

Besonders günstig bei den Moosen sei außerdem, dass sie extrem pflegeleicht sind, erklärt Frahm. «Wir haben Moosmatten patentiert, die ursprünglich zur Dachbegrünung konzipiert worden sind.» Der ursprüngliche Zweck dieser Matten war es, Grün in Städte und Industrieanlagen zu bringen, den oberflächlichen Abfluss von Regenwasser zu vermindern und durch Verdunstung das Kleinklima zu verbessern sowie mit einer biologischen Oberfläche einen Lebensraum für vielerlei Kleinstorganismen zu bieten. «Mit den Moosmatten, die als Schlingenteppich konzipiert sind, können so biologische Oberflächen gebildet werden, deren Zuwachsraten minimal sind und die zwischen zehn und 15 Jahre lang problemlos halten», erklärt Frahm. «Alles, was sie brauchen, ist genügend Feuchtigkeit, da trockenes Moos kaum Wirkung entfalten kann.»

Nachweis auf Strasse noch schuldig

Geht es nach Frahms Plänen, könnten schon bald Autobahnmittelstreifen mit den Moosmatten belegt werden. Im Labor konnte Frahm mit seinen Kollegen die Wirkweise schon zeigen. Bis zu 20 Gramm Feinstaub konnten die Moospolster von einem Quadratmeter Größe aufnehmen. Im Vergleich dazu fallen an einer viel befahrenen Straße jährlich etwa 14 Gramm Feinstaub pro Quadratmeter an.

«Den Nachweis auf den Straßen müssen wir derzeit aber noch schuldig bleiben», erklärt der Forscher. Demnächst sollen in der Umgebung von Bonn auf einem Autobahnstück solche Moosmatten ausgebracht werden. Eines ist allerdings jetzt schon klar: Feinstaub gilt als extrem giftig und kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich 300.000 Europäern das Leben.

(ht/sda)

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