Lebensmittelbranche befürchtet «Getreide-OPEC»
publiziert: Freitag, 7. Dez 2007 / 15:45 Uhr / aktualisiert: Freitag, 7. Dez 2007 / 18:34 Uhr

Berlin/Düsseldorf - Die von der Bundesregierung beabsichtigte Erhöhung der Beimischungsgrenze von Bioethanol zu Ottokraftstoff von fünf auf zehn Volumenprozent und die Erhöhung der Biodieselbeimischung auf sieben Volumenprozent führt nach Auffassung des «Netzwerkes Lebensmittelforum» zu einer weiteren Verschärfung der Konkurrenz zwischen Lebensmitteln und Biokraftstoffen.

Energieexperten raten zu einer intelligenten Einfuhrstrategie für Biodiesel.
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Durch die Verknappung der Rohstoffe zur Herstellung von Lebensmitteln steige die Inflation: «Auf diese Fehlentwicklung weist auch der Internationale Währungsfonds in seiner aktuellen Stellungnahme hin.

Es ist zu befürchten, dass durch die begrenzten Anbauflächen in Deutschland, die eingesetzte Biomasse zu einem Grossteil durch Importe gedeckt werden muss», so Peter Hahn vom Deutschen Brauer-Bund.

Er hält es für denkbar, dass Preise und Mengen dann zunehmend vom Weltmarkt diktiert werden. Eine neue Abhängigkeit von Lebensmittelimporten würde die Folge sein.

Die Macht der Getreide-Exporteure

Die jetzigen Lieferländer von Energie wären dabei teilweise mit denen für Lebensmittel identisch. Länder, die zum Beispiel über entsprechende Anbauflächen von Getreide verfügten, seien sich ihrer Stärke durchaus bewusst, wie die Einführung von Exportsteuer in der Ukraine bereits gezeigt habe. Schon heute denke Russland als bald grösster Weizenexporteur über die strategische Bildung einer «Getreide-OPEC» nach.

Mit der Erhöhung der Beimischungsgrenze werde kein signifikanter Beitrag zur Reduktion von Kohlendioxid geleistet. «Bei einem Ersatz herkömmlicher Kraftstoffe durch einen Mix aus heimischen und importierten Biokraftstoffen von 5,75 Prozent sinkt die Menge an fossilem Kohlenstoff, der entlang der gesamten Energiekette aufgewendet werden muss, gerade einmal um 3,5 Prozent, wenn man von der enormen Bedeutung der Entwaldung absieht», so Manfred Weizbauer vom Verband Deutscher Mühlen.

«Durch die nötigen massiven Importe wird die angestrebte Unabhängigkeit von ausländischem Erdöl von einer Abhängigkeit von Pflanzenöl-, Getreide- und anderem Rohwarenlieferungen abgelöst», meint Karl-Heinz Legendre vom Margarineverband.

Übertriebene Befürchtungen?

Der Düsseldorfer Energieexperte Tobias Janssen, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings, hält die Befürchtungen für übertrieben: «Mit einer intelligenten Import-Strategie können wir sehr wohl die Erdöl-Abhängigkeit reduzieren, ohne in die Falle einer neuen Abhängigkeit eines Lieferkartells zu tapsen.

Wichtig ist ein tragfähiger Energiemix. So besitzt Kasachstan einen grossen Agrarsektor, der von internationalen Investoren häufig übersehen wird. Die kasachische Landwirtschaft produziert jährlich einen Überschuss von vier bis fünf Millionen Tonnen Getreide, die exportiert werden können.

Zudem kann man noch bedeutende Agrargebiete für den Getreideanbau erschliessen. Neben der in Kasachstan bereits bestehenden Infrastruktur von Rapsmühlen und Raffinerien steht unserem Unternehmen beispielsweise ein 60'000 Hektar grosses Ackerland zur Verfügung, das etwa der Grössenordnung aller Wasserflächen in Nordrhein-Westfalen entspricht. Die Ackerfläche hat eine Grösse, die in Deutschland für den Rapsanbau nicht mehr umsetzbar ist», weiss Janssen.

Das weltweite Potenzial von Biomasse werde bislang noch überhaupt nicht erschlossen: «Jedes Jahr wachsen rund 180 Milliarden Tonnen Biomasse, lediglich fünf Prozent werden davon wirtschaftlich genutzt. Die Gefahr einer 'Getreide-OPEC' ist ein Hirngespinst», resümiert Janssen.

(tri/pte)

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