Kaum Geduld bei Umweltprojekten
publiziert: Sonntag, 2. Aug 2009 / 09:32 Uhr

New York/Wien - Kleine und sofort eintretende Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel sind den Menschen lieber als grosse positive Auswirkungen auf lange Sicht.

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen gehen.
Schritt für Schritt dem Ziel entgegen gehen.
Das schreiben US-Forscher der Columbia University im Journal of Experimental Psychology: General. Als sie Versuchspersonen nach Umweltthemen befragten, entdeckten sie dieselben irrationalen Mechanismen, die schon von riskanten finanziellen Entscheidungen bekannt sind. Das psychologische Wissen aus dem Finanzbereich solle man stärker bei umweltpolitischen Strategien anwenden, schliessen die Forscher aus ihrer Studie.

300 Personen wurden um ihre Entscheidung bei verschiedenen Situationen befragt, wobei es etwa um Luftqualität, Nahverkehr, Müllreinigung oder um Chancen auf Gewinn oder Verlust eines Geldbetrags ging. Jede Fragestellung hatte kurz- und langfristige Ebenen.

«Menschen haben lieber jetzt eine bessere Luft an 21 Tagen als 35 Tage im nächsten Jahr und ziehen auch den 250 Dollar-Sofortgewinn einem 400-Dollar-Gewinn im nächsten Jahr vor. Gewinne in der Zukunft werden meist heruntergespielt», berichtet Studienleiter David Hardisty. Bei Verlusten war allerdings das Gegenteil der Fall.

Das Bewusstsein zukünftiger Bedrohungen wie etwa die des Klimawandels lösten weit mehr Reaktionen hervor als die Chance zukünftiger Errungenschaften «grüner» Technologien. «Menschen sind eher bereit, für die Vermeidung von Verlusten in der Zukunft zu bezahlen als für die Erreichung von Gewinnen.»

Lieber ein sicherer Gewinn

«Ein sicherer Gewinn lockt Menschen mehr als ein grösserer, jedoch unsicherer Gewinn», betont auch Erich Kirchler vom Institut für Wirtschaftspsychologie der Universität Wien. Bei Verlusten sei es umgekehrt, denn man sei zur Wettmachung eines sicheren Verlustes eher zu Risiko bereit, auch wenn dadurch ein noch grösserer Verlust auf dem Spiel stehe.

Als psychologischen Fachterminus dieser noch jungen Erkenntnis hat sich der Begriff «Diskontierung der Zukunft» durchgesetzt. Knackpunkt für die Wirkung entsprechender Botschaften, egal ob sie aus der Finanz-, Umwelt- oder Gesundheitswelt stammen, sei stets ihre Darstellung. «Will man Sicherheitsverhalten erreichen, stellt man besser sichere Vorteile dar. Für Risiko eignet sich mehr die Betonung sicherer negativer Aspekte eines Themas», so der Wirtschaftspsychologe.

Positiv- oder Negativbotschaften

Zu berücksichtigen sei allerdings, dass nicht jeder in derselben Form auf Positiv- oder Negativbotschaften reagiert. «Präventions-orientierte Menschen konzentrieren sich auf Gefahren und reagieren etwa auf die Warnung 'Rauchen ist tödlich' auf Zigarettenpackungen. Es gibt jedoch auch Promotions-orientierte Menschen, die in stärkerem Mass Ziele vor Augen haben. Ein Hinweis, dass Rauchverzicht die Haut schöner macht, wäre bei dieser Gruppe viel wirksamer.»

Dass zielorientierte Menschen oft zu wenig angesprochen werden, gehe auf Unkenntnis der Psychologie zurück, so Kirchler. «Das Wissen um diese Mechanismen ist etwa zehn Jahre alt. Es ist zu hoffen, dass es einmal Umsetzung in der politischen Praxis findet.»

Einen alternativen Ansatz dazu bietet die Lernpsychologie. «Vorhaben und Strategien im Umweltbereich haben auch die Strategie der kleinen Schritte zu berücksichtigen», erklärt die Wiener Umweltpsychologin Renate Cervinka. Dieses Vorgehen erscheine stets mühseliger als der «grosse Wurf», führe jedoch im Allgemeinen eher zum Ziel.

«Kleine Belohnungen motivieren und sind löschungsresistenter. Dieses System kennt man aus der Erziehung von Kindern und der Verhaltenstherapie», so die Forscherin.

(smw/pte)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Christian Bauer (links) und Romain Sacchi sind Teil des Teams am PSI, das den «Carculator» entwickelt hat - ein Webtool, mit dem sich die Umweltauswirkungen von verschiedenen Personenwagen detailliert vergleichen lassen.
Christian Bauer (links) und Romain ...
Paul Scherrer Institut präsentiert den Carculator  Villigen - Entscheidungshilfe beim Autokauf: Forschende des Paul Scherrer Instituts haben ein Webtool namens «Carculator» entwickelt, mit dem sich detailliert die ökologische Bilanz von Personenwagen vergleichen lässt. Das Programm ermittelt die Ökobilanz von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Antriebsarten und stellt sie in Vergleichsgrafiken dar. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus der Personenwagen bedacht, darunter also die Herstellung der Fahrzeuge sowie die umweltrelevanten Emissionen beim Fahren. mehr lesen 
Höhere Effizienz als Hauptziel  Schon minimale Defekte von Perowskit-Kristallstrukturen können die Umwandlung von Licht in Elektrizität in Solarzellen beeinträchtigen. mehr lesen  
86 Prozent des Stroms aus Energieträgern wurden in der Schweiz produziert.
Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch  Bern - Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte 2014 zu 54 Prozent aus erneuerbaren Energien - zu 49 Prozent aus Wasserkraft und zu rund 5 Prozent ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
 
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
03.07.2020
03.07.2020
HELVETIX Logo
03.07.2020
03.07.2020
03.07.2020
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 15°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Basel 20°C 23°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 17°C 20°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Bern 14°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 16°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Genf 15°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 20°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten