Elektromobilität braucht keine Ladestationen
publiziert: Mittwoch, 31. Mrz 2010 / 17:11 Uhr

Um Elektrofahrzeuge schnell und preislich attraktiv auf den Markt zu bringen, ist keine aufwendige Lade-Infrastruktur nötig.

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Kurzfristig könnten die Lademöglichkeiten in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz genügen.
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Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Elektrofahrzeug-Technologie des Beratungsbüros Warnstorf & Partner.

Die jährlich erstellte Studie gibt die Meinung von über 400 Experten für Elektromobilität aus Wissenschaft, Entwicklung, Zulieferung, Finanzwelt sowie der Automobilkonzerne wieder.

Panikmache der Energieversorger

«In der Branche wird derzeit diskutiert, ob die Markteinführung von Elektroautos unbedingt eine bereits verfügbare Lade-Infrastruktur braucht», berichtet Studienleiter Jörg Warnstorf. Die frühe Ladestationen-Etablierung werde von den Energiekonzernen stark gepusht, doch sehe man dies zunehmend als Panikmache und Schaffung von Abhängigkeiten. «Die Betreiber verlangen in Pilotprojekten einen Kilowattstunden-Preis von bis zu 1,20 Euro. Ein derart verteuerter Strom wäre für den Markteintritt der Elektromobilität kontraproduktiv.»

72 Prozent der Befragten stimmten zu, dass die Einführung kurzfristig auch mit den Lademöglichkeiten in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz auskommen wird. «In Tiefeninterviews zeigte sich, dass man einfachere, kostengünstigere Ladelösungen erwartet, sobald Szenarien mit mehreren Mio. Elektroautos verwirklicht sind», so Warnstorf. Einigung für das Ladestecker-Format gibt es bisher nur auf nationaler Ebene. «Bestimmen wird letztlich der Hersteller, der zuerst seine Fahrzeuge vermarktet.»

Autobranche schläft

Dieses Rennen dürfte in Europa laut 51 Prozent der Befragten Frankreich machen. «Nachdem bisher erst Japan Elektroautos in Serie produziert und verkauft, startet heuer auch Frankreich. Durch Umstellung von Post und dem staatlichen Fuhrpark sowie Förderungen sichert es seiner staatlichen Energiewirtschaft die Initialaufträge.» Die deutsche Automobilbranche begnüge sich hingegen mit Showcars, die eigene Ansprüche nicht erfüllen können, und verschiebe den Serienstart auf 2015 und später. Dass der Markt so lange offen bleibt, sehen die Experten als Chance für Nischenanbieter, von denen einige langfristig überleben dürften.

Wie jedes Jahr wurde die Branche auch um eine Prognose für das Jahr 2020 gefragt. Mit 49 Prozent der mit Abstand grösste Teil rechnet zu diesem Zeitpunkt mit ein bis eineinhalb Mio. Elektroautos auf Deutschlands Strassen, elf Prozent mit zwei bis drei, zwölf Prozent mit vier und acht Prozent sogar mit bis zu zehn Mio. Elektroautos. Nur 18 Prozent tippen auf weniger als 500.000. Die Stimmung ist somit positiver als vor einem Jahr. «Die Leute werden pragmatischer, was vor allem auf andere Studien und auf staatliche Förderprogramme zurückzuführen ist», so Warnstorf.

Alltagsthemen werden aktuell

Was den aktuellen Forschungsbedarf betrifft, sind Akkumulatoren und Leistungselektronik weiter Dauerrenner. Oft genannt wurden auch die Themen Leichtbau-Technik, Radnabenmotor, Reichweiten-Verlängerung und erstmals auch induktives Laden.

Neu ist auch die Nennung des Designs. «Je konkreter das Thema wird, desto eher denkt man über Bereiche nach, die aus der konventionellen Automobilbranche stammen», kommentiert Warnstorf.

(ht/pte)

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