Das Schweizer Elektromobil Kamoo wird in Schlieren endgefertigt. Das Elektroauto werde sich zuerst im Nahverkehr und später auch in den anderen Bereichen durchsetzen, sagte Firmensprecher Manuel Reich. news.ch hat sich mit Manuel Reich unterhalten.
Reich: In der Regel fahre ich mit meinem Kamoo Twingo Elektra ins Geschäft oder zu Kunden. Als ideales Nahverkehrsmittel eignet sich das Elektroauto sehr gut. Meinen Arbeitsweg von rund 45 Kilometer pro Tag und auch Kundenbesuche im Grossraum Zürich sind damit problemlos möglich. Natürlich muss ich manchmal auch grössere Distanzen fahren. In diesem Fall benutze ich dann ein konventionelles Auto oder nehme die Bahn.
news.ch: Gibt es genügend Strom-Tankmöglichkeiten in der Schweiz, im Raum Zürich?
Reich: Unsere Kunden setzen ihre Elektroautos in der Regel im Nahverkehr ein. Da braucht es keine Stromtankstellen unterwegs, sondern das Elektroauto wird einfach über Nacht zu Hause betankt. Für Autofahrer, die unbedingt unterwegs an die Stromtankstelle müssen, gibt es bereits ein Angebot von über 500 Tankstellen in der Schweiz und einigen davon auch im Kanton Zürich. Das Angebot wird laufend ausgebaut. Interessierte können sich auf www.lemnet.org eine Karte aller derzeit vorhandenen Stromtankstellen abrufen. Zudem rechnen wir damit, dass in Zukunft auch vermehrt Firmen eigene Stromtankstellen für Ihre Mitarbeitender installieren werden.
news.ch: Wer hat das Projekt Kamoo initiiert und finanziert?
Reich: Die Firma Kamoo wurde von Sergio Kaufmann gegründet und aufgebaut. Als Elektroingenieur interessiert er sich schon seit langem für energieeffizientes Autofahren. Nach einem Besuch des ITAIPU Staudammes in Südamerika hat sich Sergio Kaufmann dazu entschlossen, selber Elektroautos zu bauen. Sein Credo: Das Zeitalter des Elektroautos ist gekommen.
news.ch: Wie lange dauerte die Planungsphase für das erste Kamoo-Mobil?
Reich: Die Planung für die Produktion und den Vertrieb von Elektroautos ist recht komplex und benötigt einige Zeit. Wir hatten sicherlich den Vorteil einer guten Zuliefersituation und konnten von Anfang an eine gute Beziehung zu unserem Hauptlieferanten für den Elektroantrieb und die Batterien aufbauen. Vom Businessplan bis hin zum ersten ausgelieferten Fahrzeug haben wir dennoch rund 9 Monate Zeit gebraucht.
news.ch: Wer ist beteiligt an Kamoo Schweiz?
Reich: Kamoo AG ist unabhängig und im Besitz des Managements.
news.ch: Was genau davon wird in Schlieren produziert?
Reich: Wir beschaffen die Autos, die Antriebskomponenten und die Batterien im Rahmen von strategischen Kooperationen. Weitere Komponenten werden punktuell von verschiedenen Lieferanten dazugekauft. In unserer Montagehalle in Schlieren werden die Komponenten dann in die Autos eingebaut, getestet und ausgeliefert. Zusätzlich werden auch spezielle Umbauten vorgenommen oder Fahrzeugprototypen montiert.
news.ch: Sie haben jetzt von M-way Konkurrenz bekommen. Sind Sie zu Preisreduktionen gezwungen?
Reich: Wir begrüssen den Einstieg von M-way in den Elektroautomarkt Schweiz. Der Einstieg der Migros verleiht dem Elektroauto eine Medienpublizität und erhöht die Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung. Der Markt als Ganzes wird vom Einstieg der Migros profitieren. Unsere Produkte sind gut positioniert und können preislich mit den Migros Angeboten mithalten. Im Gegensatz zu M-way verfügen wir über ein breiteres Produktangebot , echte Vierplätzer und haben bereits funktionierende Prozesse im Service- und Wartungsbereich. Wir werden deshalb keine Preisreduktionen vornehmen, sondern unsere Preispolitik beibehalten.
news.ch: Welcher Ihrer Modelle verkauft sich am besten, und wie viele haben Sie pro Typ in der Schweiz schon verkauft?
Reich: Der Kamoo 500 Elektra ist mit seinem Design sicherlich der Star im Produktsortiment und wird vielfach auch von Firmen als Werbeträger eingesetzt. Am besten verkauft sich der Kamoo Twingo Elektra, der durch seine preislichen Vorteile und seine Robustheit für viele Käufer das richtige Produkt für den Alltagseinsatz ist. Detaillierte Verkaufszahlen geben wir nicht bekannt. Wir haben jedoch per Mai 2010 über 40 Elektroautos verkauft und rechnen mit einem Absatz von über 200 Autos im aktuellen Kalenderjahr.
news.ch: Waren Sie zufrieden mit dem Genfer Salon dieses Jahr?
Reich: Wir waren mit dem Autosalon grundsätzlich zufrieden. Es hat sich gezeigt, dass noch einige Zeit vergehen wird, bis die traditionellen Hersteller Ihre Ankündigungen auch konkretisieren werden. Wir rechnen nicht damit, dass vor 2012 im Schweizer Markt für Elektroautos viel passieren wird und können daher in dieser Zeit unser Geschäft weiter ausbauen und entwickeln.
news.ch: Wo haben Sie grössere Projekte z.B. mit Taxiflotten, oder Ausrüstung von Organisationen mit Elektromobilen?
Reich: Sie werden verstehen, dass wir uns hier diskret verhalten und keine vollmundigen Ankündigungen machen werden. Wir arbeiten jedoch an einer Reihe von interessanten Projekten, die sich im Verlauf des aktuellen Jahres konkretisieren werden. In einem dieser Projekte arbeiten wir mit Hertz zusammen, die den Kamoo Panda Elektra jetzt als Mietwagen anbieten. Die Ankündigung ist vor wenigen Tagen bereits erfolgt.
news.ch: Was erwarten Sie von der Politik?
Reich: Das Elektroauto wird von der Politik als Stiefkind betrachtet. Im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern, wird dem Konsumenten kein Zuschuss für den Kauf eines Elektroautos gewährt. Zudem zahlt er auch noch extra, wenn er «sauberen» Strom beziehen will. In der Politik wird zwar viel gesprochen, aber nichts gemacht. Hier sollten konkret Anreize gesetzt werden, um den Umstieg vom Benziner auf das Elektroauto zu fördern.
news.ch: Werden dereinst alle Lenker mit Elektromobilen fahren?
Reich: Der Umstieg auf Elektroautos erfordert einen Bewusstseinswandel. Das braucht Zeit. Wir gehen davon aus, dass der Elektroautomarkt in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Das Elektroauto wird sich zuerst im Nahverkehr und später auch in den anderen Bereichen durchsetzen. Bis alle Lenker elektrisch fahren, wird es noch viele Jahre dauern.
(ht/news.ch)
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