China und Indien im Klimaschutz längst aktiv
publiziert: Mittwoch, 9. Jul 2008 / 16:38 Uhr

Toyako - Mit ihren vagen Klimazielen konnte die G-8-Runde weder Chinas Präsident Hu Jintao noch den indischen Premier Manmohan Singh beeindrucken.

Die Gletscher im Himalaya schmelzen schneller als angenommen.
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Kühl und selbstbewusst forderten die Führer der Schwellenländer die wohlhabenden Staaten auf, ihre Treibhausgase bis 2050 nicht nur um 50 Prozent, sondern vielmehr um 80 bis 95 Prozent verringern: «Die Menschheit steht an einem kritischen, historischen Scheideweg.» Es sei entscheidend, dass die G8-Staaten mit ihren technischen und finanziellen vorangingen, um «ambitionierte Ziele» zu erreichen und den armen Ländern beim Klimaschutz zu helfen.

Beide Führer sind es auch offensichtlich satt, von anderen als Ausrede für eigene Untätigkeit benutzt zu werden. Umweltorganisationen bescheinigten Hu Jintao und Singh anerkennend, sie seien im Gegensatz zu US-Präsident George W. Bush keineswegs untätig gewesen.

Lob vom WWF

In ihren Ländern gebe es längst umfassende Programme zum Kampf gegen die globale Erwärmung, die viel Lob finden. «China und Indien sind schon dabei, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten», sagte Kathrin Gutmann vom WWF. Bei der Umsetzung der Projekte hapere es zwar manchmal, doch seien die Bemühungen beeindruckend.

Greenpeace findet Chinas Umweltgesetzgebung «sehr progressiv». Pekings Pläne für erneuerbare Energien kämen den Zielen der Umweltorganisation sehr nahe. Bei den Abgasstandards für Autos sei China den USA um mehr als zehn Jahre voraus.

Aktive Rolle bei Verhandlungen

Auch in den laufenden internationalen Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen spielten beide Länder «eine sehr konstruktive Rolle», sagt Daniel Mittler von Greenpeace. Aktiv formulierten China und Indien die Notwendigkeiten für die finanzielle und technische Unterstützung der Entwicklungsländer.

Vor zwei Wochen erhob Chinas Führung den Klimaschutz zum nationalen Ziel. Bis tief in die Provinzen müssen Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgase in alle Entwicklungspläne aufgenommen werden, nach denen das Land in alter planwirtschaftlicher Tradition regiert wird.

Potenzielle Opfer

Der Aktivismus in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde hat auch damit zu tun, dass sie besonders stark von den Folgen der globalen Erwärmung betroffen sind. Eine Klimastudie der Pekinger Regierung sagt Dürren im Norden und Überschwemmungen im Süden voraus.

Die Getreideernte werde bis 2050 um bis zu zehn Prozent zurückgehen. Mit jedem Grad Erderwärmung, so warnen Experten, geht der Ertrag bei Weizen, Reis und Mais um zehn Prozent zurück.

Die Gletscher im Himalaya, welche die grossen Flüsse in China und Indien speisen, schmelzen heute viel schneller als bisher angenommen. Wenn diese Quelle versiegt und Flüsse wie der Ganges oder Jangtse in der Trockenzeit kaum noch Wasser führen, ist die Landwirtschaft bedroht.

(von Andreas Landwehr, dpa/sda)

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